„Blackout" ist zum Reizwort geworden. Zwischen echter Vorsorge und Panikmache liegt aber ein großer Unterschied – und den lohnt es sich zu kennen, bevor man in Technik investiert. Dieser Ratgeber ordnet die Lage sachlich ein und beantwortet die Frage, die sich viele PV-Besitzer erst im Ernstfall stellen: Läuft meine Solaranlage eigentlich weiter, wenn der Strom ausfällt?
Wie wahrscheinlich ist ein Blackout in Deutschland?
Zunächst die Entwarnung: Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr eines großflächigen, langanhaltenden Blackouts in Deutschland als sehr gering ein. Das Stromnetz ist mehrfach redundant abgesichert, und ein solches Ereignis hat es hierzulande bislang nicht gegeben.
Wahrscheinlicher als der totale Blackout ist ein sogenannter Brownout – eine kurzzeitige, meist auf Stunden begrenzte Unterversorgung, etwa wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Und daneben gibt es die ganz alltäglichen, lokal begrenzten Stromausfälle: durch Stürme, Bauarbeiten, technische Defekte oder – wie zuletzt diskutiert – durch Sabotage an Infrastruktur. Die meisten davon sind in wenigen Stunden behoben. Bei großflächigen Schäden kann es aber auch einmal Tage dauern.
Die realistische Vorsorge zielt also nicht auf das Weltuntergangsszenario, sondern auf das, was tatsächlich vorkommt: Stunden bis wenige Tage ohne Netzstrom. Und genau dafür ist Handlungsfähigkeit im eigenen Haus ein realer Gewinn an Sicherheit.
Was passiert im Haus, wenn der Strom weg ist?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt es nüchtern: Kühlschrank und Herd fallen aus, Licht und Heizung funktionieren nicht mehr, oft kommt kein Wasser mehr aus der Leitung, Internet und Mobilfunk sind gestört. Selbst Geldautomaten arbeiten nicht mehr. Das BBK empfiehlt deshalb einen Grundvorrat, Bargeld im Haus, ein batteriebetriebenes Radio – und ausdrücklich auch solarbetriebene Lademöglichkeiten als Hilfe im Ernstfall.
Für Hausbesitzer mit Solaranlage stellt sich damit eine Frage, deren Antwort viele überrascht.
Der Denkfehler: „Ich habe doch Solar auf dem Dach"
Eine ganz normale, netzgekoppelte PV-Anlage schaltet sich bei einem Stromausfall automatisch ab. Das ist kein Defekt, sondern gesetzlich vorgeschrieben: Der sogenannte NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz) trennt die Anlage vom Netz, damit bei Reparaturarbeiten keine Spannung auf den Leitungen liegt und niemand gefährdet wird.
Das bedeutet im Klartext: Fällt das Netz aus, steht auch Ihre Solaranlage still – selbst wenn die Sonne scheint. Ohne zusätzliche Technik haben Sie im Blackout also keinen Strom, obwohl Module auf dem Dach liegen.
Was eine PV-Anlage wirklich autark macht
Damit Ihre Anlage bei Stromausfall weiterversorgt, braucht es die richtige Technik – und hier gibt es drei Stufen:
- Ersatzstromfähiger Speicher: Ein Batteriespeicher mit Ersatzstromfunktion versorgt bei einem Ausfall automatisch ausgewählte Verbraucher – etwa Kühlschrank, Licht und Router – aus der Batterie weiter. Der Übergang erfolgt in Sekundenbruchteilen.
- Notstromfähiger Wechselrichter / Inselbetrieb: Für echte Unabhängigkeit sorgt ein System, das nicht nur den Speicher entlädt, sondern die PV-Anlage im Inselbetrieb weiterlaufen lässt. So lädt die Sonne den Speicher auch während des Ausfalls nach – das verlängert die Autarkie von Stunden auf Tage.
- Vollständige Notstromversorgung des Hauses: Aufwändigere Systeme können im Ausfall das gesamte Hausnetz übernehmen, inklusive dreiphasiger Verbraucher wie einer Wärmepumpe.
Welche Stufe sinnvoll ist, hängt von Ihrem Bedarf ab. Für die meisten Haushalte ist die Kombination aus ersatzstromfähigem Speicher und nachladefähiger PV-Anlage der beste Kompromiss aus Sicherheit und Kosten.
Autarkie im Alltag – nicht nur im Notfall
Der schöne Nebeneffekt: Dieselbe Technik, die Sie im Stromausfall handlungsfähig hält, macht Sie auch im Normalbetrieb unabhängiger. Ein gut ausgelegter Speicher hebt die tägliche Eigenverbrauchsquote deutlich an. Sie nutzen mehr von Ihrem eigenen Sonnenstrom, kaufen weniger teuren Netzstrom zu und entkoppeln Ihre Energiekosten ein Stück weit vom Markt. Die Investition in Autarkie zahlt sich also nicht erst im seltenen Ernstfall aus, sondern an jedem sonnigen Tag.
Und was ist mit der Dunkelflaute?
Der Begriff Dunkelflaute beschreibt Phasen, in denen wenig Sonne und wenig Wind zusammenkommen – typischerweise im Winter. Für die eigene Anlage heißt das ehrlich: An solchen Tagen liefert das Dach wenig, und ein Speicher allein überbrückt keine tagelange Dunkelflaute. Wer sein Ziel realistisch setzt – hohe Autarkie über das Jahr, verlässliche Überbrückung bei Ausfällen – wird nicht enttäuscht. Wer 100 % netzunabhängig leben will, muss deutlich größer dimensionieren. Ein seriöser Planer sagt Ihnen genau, welche Autarkiequote mit welchem System für Ihr Haus erreichbar ist.
Sie möchten wissen, ob Ihre bestehende Anlage notstromfähig ist – oder eine neue gleich richtig planen? TRIOSUN prüft Ihre PV-Anlage im Raum Bremen auf Ersatzstrom- und Inselfähigkeit und rechnet Ihnen ehrlich vor, welche Autarkie realistisch ist. Jetzt Autarkie-Check anfragen →